Katzenmord in Deutschland

Jäger erschießen jährlich über 16.000 Katzen in Deutschland
Jahr für Jahr werden in Deutschland tausende Katzen und Hunde abgeschossen. Verboten ist das Ganze nicht, sondern durch das Bundesjagdgesetz und die Landesjagdgesetze erlaubt. Der Deutsche Tierschutzbund fordert jetzt eine Änderung des Gesetzes. Der Deutsche Jagdschutz Verband (DJV) hält dagegen,denn Singvögel und Wildtiere sollen so vor wildernden Hunden und Katzen geschützt werden.
Der Abschuss von Katzen ist bereits dann erlaubt, wenn sie wenige Hundert Meter vom bewohnten Gebäude streunen.
Der Abschuss von Haustieren ist im Bundesjagdgesetz nach § 23 als Jagdschutz geregelt. Der Jagdschutz wird nach näherer Vorgabe der Landesjagdgesetze ausgeübt. Demnach ist der Abschuss von Katzen bereits dann erlaubt, wenn sie außerhalb der Einwirkung ihres Halters in einer Entfernung von 200 bis 500 Meter (je nach Bundesland) vom nächsten bewohnten Gebäude streunen. Einzig Hessen hat das Abschussverbot auf 500 Meter ausgeweitet. In der Praxis führt dies laut Tierschutzbund jährlich zur Tötung zehntausender Tiere.
Dunkelziffer um ein Vielfaches höher
Da nicht jedes abgeschossene Tier gemeldet wird, gibt es keine deutschlandweite offizielle Zahl. Lediglich Hessen, Nordrhein-Westfalen sowie Schleswig-Holstein, das Saarland und Hamburg führen dazu Statistiken. Demnach wurden allein in diesen fünf Ländern in der Jagdsaison 2012/2013 über 16.000 Katzen und rund 90 Hunde getötet, wie offizielle Zahlen von Ministerien und Jagdverbänden bestätigen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher liegt.
"Haustiere werden grundlos abgeknallt"
Der Deutsche Tierschutzbund wirft in einer aktuellen Pressemitteilung den Jägern vor "Haustiere grundlos abzuknallen" und fordert eine Änderung des bestehenden Gesetzes. Der DJV sieht das anders und will an der alten Regelung festhalten.
"Wir sind sehr enttäuscht, gerade weil verwilderte Haustiere eine gesellschaftliche Herausforderung sind", betont DJV-Präsident Hartwig Fischer. Zudem wirft der DJV dem Tierschutzbund vor, sich aus der Verantwortung zu stehlen, da dieser bislang keine Lösung anzubieten hätte.
Deutscher Jagdschutz Verband hält dagegen
Der DJV stützt sich bei seiner Argumentation auf die Zahlen der Tierschutzverbände und auf eigene Hochrechnungen. Demnach gibt es in Deutschland mehr als zwei Millionen verwilderte Katzen, denen nach DJV-Hochrechnungen jährlich etwa sechs Millionen Singvögel in Deutschland zum Opfer fallen.
"Wir wohnen mit einem Raubtier zusammen, dessen Bedürfnisse man nicht wegkuscheln kann“, sagt DJV-Präsident Fischer. "Vielmehr müssen wir gemeinsam Verantwortung übernehmen für Haus- und Wildtiere. Einen Zwei-Klassen-Tierschutz lehnen wir Jäger strikt ab." Eine Lösung sieht der DJV im sogenannten Paderborner Modell, das eine Kastrationspflicht für Freigängerkatzen vorsieht.
Annäherung in Sicht?
Zwar erkennt der Deutsche Tierschutzbund an, dass der DJV Lösungen anbietet, betont jedoch, dass diese nicht auf Kosten der überlasteten Tierheime und vor allem auf Kosten der frei lebenden Katzen gehen dürften. "Aus den Augen, aus dem Sinn, das scheint das Gebot der Jägerschaft zu sein. Aber eine Population frei lebender Katzen reduziert sich langfristig nur über den Grundsatz, 'Fangen, Kastrieren, Freilassen' – nicht aber durchs Wegschaffen oder Abschießen", erklärt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.
Quelle: stw